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Laufen oder davonlaufen?

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Nach meiner Laufflaute im Winter wegen Grippe, Hüftschmerzen, stürmischem Wetter, schlechter Laune und anderen mehr oder weniger plausiblen Gründen, trainiere ich jetzt ganz bewusst wieder intensiver. Ich habe mir vorgenommen, viermal in der Woche zu laufen und dabei die wöchentliche Gesamtkilometerzahl immer mehr zu erhöhen. In den letzten zwei Wochen, bei perfektem Wetter, habe ich das ganz gut durchgezogen und ich merke schon, wie sich meine Ausdauer verbessert und das Laufen leichter fällt. Heute laufe ich zwölf Kilometer und während dem Laufen denke ich unvermittelt, dass Laufen mit Flüchten assoziiert wird. Flüchte ich? Wovor laufe ich eigentlich davon?

Ich bin kein ehrgeiziger Mensch und ich habe kein Ziel. An Wettkämpfen nehme ich schon lange nicht mehr teil. Was motiviert mich, viermal in der Woche in den frühen Morgenstunden aus dem Bett zu hüpfen und noch vor dem Frühstück sinnlos durch die Gegend zu rennen? Beim Laufen fühle ich mich stark und vital, aber die körperliche…

Mein Senf zum Weltfrieden

Mit den nachfolgenden Zeilen möchte ich auf den Beitrag einer Blog-Nachbarin eingehen. Eigentlich wollte ich nur einen Kommentar zu ihrem Artikel schreiben, dieser wurde dann aber etwas länger und um ihre Kommentarspalte nicht zu sprengen, gebe ich jetzt meinen Senf hier zum Besten, in der Hoffnung, dass unsere Blogs nun nicht zu Schlachtfeldern der Meinungen und Anfeindungen über den Palästinakonflikt werden, denn dies ist ein explosives Thema! 
In all den Jahren, in denen ich auf verschiedene Arten im Netz unterwegs bin, habe ich mich immer davor zurückgehalten, über den “Nahostkonflikt” zu diskutieren. Einerseits, weil ich auch nach dreissig Jahren in Israel die Situation immer noch lerne und nicht mit Menschen diskutieren mag, die sich nach dem Lesen einiger Schlagzeilen eine mehr oder weniger festgefahrene Meinung bilden (damit meine ich auf keinen Fall dich, liebe Schreibschaukel!), andererseits weil ich durch mein Auswandern in ein anderes Land gelernt habe, dass wir alle Brill…

Shvil Israel

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Der Shvil Israel (oder INT, Israel National Trail, der israelische Nationalwanderweg) ist eine Pilgerroute, die in 44 Etappen über 1,050 Kilometer das Land Israel vom Norden bis in den Süden durchquert. Der Shvil Israel soll eine der schönsten Fernwanderwegen der Welt sein. Auf der Webseite von Christian Seebauer kann man mehr über den Trail lesen, der mit spektakulären Landschaften in einem aufregenden Land, meist angenehmem Wetter und hilfsbereiten Mitwanderern und Einheimischen aufwartet. 

Der Trail führt vom Kibbuz Dan im Norden durch Galiläa und am See Genezareth entlang, durchs Karmelgebirge zum Mittelmeer, an der Küste nach Tel Aviv, an Jerusalem vorbei und durch die Negev-Wüste bis ans Rote Meer im Süden. Gemäss der Topologie des Landes ändert der Trail seinen Charakter mehrmals: Er schickt den Wanderer über sanfte Hügel, durch unwegsame Schluchten, am Strand entlang und durch bewohnte und landwirtschaftlich geprägte Gebiete. Im Süden führt der Pfad auf einem etwa vierhundert…

Wüstentrip

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Vor einigen Tagen reiste ich in die Negev-Wüste, zusammen mit meinen Schwestern, die aus der Schweiz zu Besuch gekommen waren um vor der grossen Eiszeit ein bisschen Sonne zu tanken.

Einige Tage vorher suchte und fand ich im Internet eine anspruchsvolle Rundwanderung: Die Tagesroute „Wadi Zin - Ein Akev“ schien mir genau das Richtige zu sein. Ich klickte durch Bilder von Wüstenlandschaften mit trockenen Wadis, bizarren Felsformationen und kargen Geröllhalden in vielfältigen Beige- und Sandschattierungen – das würde einmal etwas ganz anderes für meine Schwestern, die sich an die grünen Wiesen und Wälder, die Berge und den Schnee der Schweiz gewöhnt sind!

Es stellte sich heraus, dass es auch in der Wüste kräftig regnen kann. Na ja, eigentlich wusste ich das ja schon. Aber ausgerechnet heute?! Die geplante Wanderung fiel buchstäblich ins Wasser. Eine hartnäckige Regenwolke entleerte sich ausgerechnet während der wenigen Stunden, die wir in dieser sonst so trockenen Region verbrachten.…

Arbeit und Struktur

„Sturm und Wolkenbruch. Ich laufe in meiner Wohnung herum, um der Reihe nach durch alle Fenster zu sehen und mich zu freuen.“ Wolfgang Herrndorf, 6.10.2012.

Noch während ich das Buch "Arbeit und Struktur" lese, weiss ich, dass ich es - sobald zu Ende - in Endlosschleife gleich wieder von vorne beginnen werde. So beeindruckend ist die Einsicht in das Tagebuch von Wolfgang Herrndorf.

Wenige Wochen nachdem bei ihm ein unheilbarer Hirntumor diagnostiziert wurde, eröffnete der Autor seinen Blog, in welchem er seinen Alltag mit der Krankheit mal lakonisch, mal zynisch, mal sarkastisch, mal humorvoll und mal verzweifelt kommentiert. Kurz nach Herrndorfs Selbstmord im August 2013 wurde der komplette Blog in Buchform veröffentlicht.

Das lässt mich Parallelen zu meinem eigenen Blog/Buch ziehen, nur mit dem bedeutenden Unterschied, dass er das Todesurteil erhielt und ich nur eine leichte „Strafe auf Bewährung“. Bei Herrnsdorf geht es ernsthaft um Leben und Tod und das macht umgehend jeg…

Spinat und Tattoos

„Spinat macht Muskeln“, sage ich zu Lianne beim Abendessen, wohl ahnend, dass der Slogan bei Sechzehnjährigen kaum dieselbe Wirkung haben wird bei Kleinkindern.

„Und ein Anker-Tattoo am Unterarm?“, fragt sie frech.

Grippe

Jetzt auch das noch. Was für eine fiese, hinterlistige, unerwünschte, sinnlose Krankheit. Eine Woche sieche ich mit hohem Fieber im Bett dahin. Mein Körper hat dieselbe Temperatur und Konsistenz wie das Bett unter mir und die Decken über mir. Ich bin eine Decke. Bin ich bei Bewusstsein? Ich deliriere unter Lagen von Decken vor mich hin, abwechselnd von unerträglichen Schweissausbrüchen geplagt und von Eiskaltfrösten geschüttelt. Ich huste mir die Lungen wund und schnäuze Unmengen grüngelblichen Rotz (Hirnmasse?) ins Nastuch. Dann diagnostiziert der Arzt Bronchitis und Anfänge einer Lungenentzündung und verschreibt Antibiotika. Umgehend geht es mit mir bergauf und schon eineinhalb Tage später koche ich, fange an, den Wäscheberg abzuarbeiten, jäte Unkraut im Garten, sähe Basilikum aus und putze Fenster. Frühling! Hurra, ich bin von den Toten auferstanden!

Morgen werde ich wieder arbeiten gehen. Während ich fast zwei Wochen im Bett lag, haben viele meiner langjährigen Arbeitskollegen die…